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Regulatorische Insights | AMLA | Geldwäscheprävention

   

AMLA startet erste EU-weite Datenabfrage

Was die neue Risikomodellierung für Institute, Geldwäschebeauftragte und Prüfer bedeutet

Veröffentlicht: Mai 2026 | Themen: AMLA, AML/CFT, Risikoanalyse, Aufsichtspraxis, Datenqualität, EU-Regulatorik


Executive Summary

Die Anti-Money Laundering Authority (AMLA) hat im März 2026 eine EU-weite Data Collection Exercise zur Entwicklung und Kalibrierung künftiger Risikobewertungsmodelle gestartet. 

Die Initiative ist ein wichtiger Schritt hin zu einer stärker datengetriebenen, harmonisierten und vergleichsorientierten europäischen Geldwäscheaufsicht.    

Für Geldwäschebeauftragte, Compliance-Funktionen, Interne Revisionen und Prüfer liefert die Veröffentlichung wichtige Hinweise auf zukünftige Anforderungen an Datenqualität, Risikobewertung, Reportingfähigkeit und Aufsichtsmethodik.  

 

Hintergrund der AMLA-Datenabfrage

Die AMLA hat am 16. März 2026 das Reporting Package für eine Datenerhebungs- und Testübung veröffentlicht. Teilnehmende Institute wurden aufgefordert, entsprechende Templates und begleitende Unterlagen zu nutzen.    

Nach Angaben der AMLA verfolgt die Übung zwei zentrale Ziele:    

  • die Entwicklung und Kalibrierung von Risikobewertungsmodellen,
  • die Vorbereitung der Auswahl künftig direkt beaufsichtigter Institute.

Die Auswahl von bis zu 40 Instituten für die direkte AMLA-Aufsicht soll 2027 erfolgen. Die direkte Aufsicht durch AMLA soll ab 2028 beginnen.    


Warum die Initiative regulatorisch bedeutsam ist

Die Datenabfrage ist weit mehr als ein technisches Pilotprojekt.

Erstmals wird sichtbar, wie die AMLA künftig Geldwäscherisiken auf europäischer Ebene vergleichbar machen möchte.

Während Risikoanalysen bislang überwiegend national geprägt waren, verfolgt die AMLA das Ziel einer konsistenten europäischen Bewertungsmethodik. Dadurch könnten sich langfristig einheitlichere Anforderungen entwickeln an:

  • Risikoklassifizierungen
  • Datenstrukturen
  • Reportingformate
  • Kontrollsysteme
  • Governance-Strukturen

Die Initiative deutet damit auf einen grundlegenden Wandel der europäischen AML-Aufsicht hin: weg von überwiegend qualitativen Einzelbewertungen – hin zu stärker datenbasierten und vergleichsorientierten Aufsichtsansätzen.


Welche Institute betroffen sind

Nach Angaben der AMLA wurden die teilnehmenden Institute über nationale Aufsichtsbehörden identifiziert.

Die Auswahl umfasst unterschiedliche Geschäftsmodelle und Risikoprofile, um die geplanten Risikomodelle möglichst realitätsnah testen zu können.

Auch Institute, die aktuell nicht unmittelbar an der Exercise teilnehmen, sollten die Entwicklung aufmerksam beobachten.

Die AMLA macht deutlich, dass die gewonnenen Erkenntnisse perspektivisch in zukünftige europäische Aufsichtsmethoden einfließen könnten.


Was AMLA faktisch testet

Die Veröffentlichung zeigt, dass AMLA nicht ausschließlich Daten sammelt.

Vielmehr werden gleichzeitig grundlegende operative Fragestellungen getestet:

  • Verfügbarkeit AML-relevanter Daten
  • Konsistenz regulatorischer Informationen
  • Vergleichbarkeit zwischen Instituten
  • Datenqualität und Strukturierungsgrad
  • technische Reportingfähigkeit
  • Harmonisierung von Risikobegriffen

Die Exercise liefert damit erste Hinweise darauf, welche Fähigkeiten Institute künftig regulatorisch stärker nachweisen müssen.


Bedeutung für Geldwäschebeauftragte

Für Geldwäschebeauftragte dürfte insbesondere die Qualität strukturierter AML-Daten künftig stärker in den Fokus rücken.

Viele Institute verfügen historisch über gewachsene Datenlandschaften mit:

  • unterschiedlichen Datenquellen,
  • heterogenen Klassifizierungen,
  • manuellen Prozessen,
  • eingeschränkter Aggregierbarkeit.

Die AMLA-Initiative deutet darauf hin, dass zukünftig nicht nur Prozesse, sondern verstärkt auch Datenarchitekturen und Datenintegrität bewertet werden könnten.

Dadurch gewinnt die Schnittstelle zwischen:

  • AML-Compliance,
  • Data Governance,
  • regulatorischem Reporting
    und
  • IT-Strukturen

deutlich an Bedeutung.


Bedeutung für Prüfer und Interne Revision

Auch Prüfer und Interne Revisionen sollten die Entwicklung aufmerksam beobachten.

Die AMLA-Exercise deutet darauf hin, dass zukünftige Prüfungen verstärkt folgende Fragestellungen adressieren könnten:

  • Sind AML-Daten vollständig und konsistent?
  • Können Risikodaten nachvollziehbar reproduziert werden?
  • Existieren einheitliche Risikodefinitionen?
  • Sind gruppenweite AML-Daten konsolidierbar?
  • Können regulatorische Datenerhebungen kurzfristig unterstützt werden?
  • Bestehen dokumentierte Datenqualitätskontrollen?

Damit verschiebt sich der Fokus potenziell:von rein prozessbezogenen Kontrollen hin zu datenbezogenen Kontrollumgebungen.


Praxisrelevanz für Institute

Mögliche zukünftige Aufsichtsschwerpunkte

  • Datenqualität und Datenintegrität
  • Konsistenz von Risikoanalysen
  • gruppenweite AML-Steuerung
  • Nachvollziehbarkeit von Risikoklassifizierungen
  • regulatorische Reportingfähigkeit
  • Harmonisierung von AML-Datenstrukturen
  • technische Auswertbarkeit von AML-Daten


Strategische Bedeutung der Entwicklung

Die AMLA-Datenabfrage zeigt bereits heute die Richtung zukünftiger europäischer Aufsicht:

  • stärker zentralisiert,
  • datengetrieben,
  • quantitativ,
  • vergleichsorientiert
    und
  • EU-weit harmonisiert.

Institute werden dadurch künftig voraussichtlich stärker innerhalb eines europäischen Risikoraums vergleichbar gemacht.

Dies betrifft nicht nur potenziell direkt beaufsichtigte Institute, sondern mittelbar auch national beaufsichtigte Verpflichtete.


Handlungsempfehlungen für Institute

Bereits heute sollten Institute prüfen:

  • Welche AML-Daten strukturiert vorliegen
  • Wie konsistent Risikoklassifizierungen erfolgen
  • Ob gruppenweite Datendefinitionen existieren
  • Wie belastbar KYC- und Monitoringdaten sind
  • Welche manuellen Workarounds aktuell bestehen
  • Wie regulatorische Datenerhebungen unterstützt werden könnten

Besonders relevant dürfte künftig die Fähigkeit werden, AML-relevante Informationen schnell, konsistent und regulatorisch belastbar bereitstellen zu können.


Fazit

Die AMLA-Data Collection Exercise markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt der europäischen Geldwäscheaufsicht.

Die Initiative liefert einen frühen Einblick in zukünftige regulatorische Erwartungen und verdeutlicht den zunehmenden Fokus auf:

  • Datenqualität,
  • Harmonisierung,
  • Vergleichbarkeit
    und
  • quantitative Risikoanalyse.

Für Geldwäschebeauftragte, Prüfer und Compliance-Funktionen ist die Veröffentlichung deshalb insbesondere als strategisches Frühwarnsignal relevant.

Die eigentliche Herausforderung dürfte langfristig weniger in einzelnen Templates liegen — sondern vielmehr in der Transformation bestehender AML-Compliance-Strukturen hin zu belastbaren europäischen Daten- und Risikoarchitekturen.


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